Im Jahre 1911 - so der Zeitungsbericht - sammelten die Gebrüder Wieland fußballbegeisterte Sportfreunde um sich und gründeten den Verein, der im Lokal Viktor Schulte an der Dorstener Straße aus der Taufe gehoben wurde. Schwierigkeiten bereitete die Platzfrage. Es war in dem neuen Verein erst kein Geld vorhanden, um die Pacht für einen Platz neben der Platzanlage des Turnvereins Bochum von 1848 in der Schmechtingwiese aufzubringen. Aber auch dieses Problem wurde gemeistert.

Im Jahre 1913 erfolgte die Aufnahme in den Westdeutschen Fußballverband. Im Jahre 1921/22 gelang es der ersten Fußballmannschaft in die 1. Liga aufzusteigen. In der Festschrift zum 50jährigen Jubiläum - gefeiert wurde wieder im Parkhaus - werden die Erfolge der Fußballmannschaft in den Jahren zwischen 1922 und 1929 als "acht Erfolgsjahre" bezeichnet, denen dann der Abstieg und 1930/31 der Wiederaufstieg in die erste Bezirksklasse folgte. Angemerkt sei, dass die damalige Einteilung nicht der heutigen Bezirksliga entspricht.

Als im Jahre 1936 der BV Westfalia sein 25-jähriges Jubiläum feierte, galt der Verein als der größte Sportverein des Bochumer Nordens. So betitelt der Bochumer Anzeiger in seiner Ausgabe vom 25. August 1936 die Ausführungen zum "Silberjubiläum". Gefeiert wurde im Parkhaus und das Jubiläumsspiel fand gegen den SV Höntrop statt. Schon damals war in dem Artikel von den wechselvollen sportlichen Erfolgen die Rede. - Eine Entwicklung, die sich über 90 Jahre hinzieht.

 

Wechsel der Sportplätze:

Westhofstraße - Freiligrathstraße - Feldsieper Schule

 

In die wechselvolle Vereinsgeschichte reiht sich auch der Wechsel der Sportplätze ein: "Eine große Schwierigkeit ergab sich", schreibt der Bochumer Anzeiger von 1936, "als im gleichen Jahr (1931?), der seit 1921 innegehabte Platz an der Freiligrathstraße geräumt werden musste". "Inzwischen", so geht es aus der Festschrift des Jahres 1961 hervor, "hatte der BV "Westfalia" den Platz an der Westhofstraße räumen müssen, weil er für Bauzwecke (Bunker ?) d.Vf.) benötigt wurde. "Als Ersatz" so wird fortgeführt, "ließ die Stadtverwaltung den Platz an der Freiligrathstraße wieder herrichten und übergab dem BV "Westfalia" diese Anlage." Seit Anfang der fünfziger Jahre spielt man auf dem Sportplatz Hofsteder Straße.

Die Jahre von 1932 bis 1945

 

Im Jahre 1932/1933 gelang es den Westfalen in die erste Bezirksklasse aufzusteigen. Große sportliche Erfolge in den Spieljahren 1933/34 und 1934/35 werden ihnen attestiert, doch der erhoffte Aufstieg in die damals höchste Spielklasse misslang. Aus der Festschrift zum 40-jährigen Jubiläum - gefeiert wurde in der Kaiseraue - steht über die Jahre bis zum Ende des zweiten Weltkrieges: "Auch in diesen Jahren hat Westfalia beachtliche Leistungen vollbracht. (...) Mit Recht kann gesagt werden, daß Westfalia zu den führenden Vereinen zählt und sein Name weit über Bochums Grenzen hinaus bekannt geworden ist. Ja selbst während des zweiten Weltkrieges wurde der Spielbetrieb mit einigen Unterbrechungen aufrecht erhalten."

 

 

Nach dem zweiten Weltkrieg

 

Westfalia zählte zu den Spitzenmannschaften in Bochum und war als ewiger Zweiter verschrien. Die Quellen berichten von Fußballspielen auf dem Sportplatz an der Freiligrathstraße vor zehn- bis zwölftausend Zuschauern gegen Wattenscheid 09/30 und Günnigfeld. In einem Artikel des bekannten Bochumer Sportberichterstatters Heinz Formann aus dem Jahre 1995 anlässlich des 70igsten Geburtstag über "Peitsche" Heinz Riehl - einem der bekanntesten Westfalia-Spieler - wird von Stadtauswahlspielen vor mehr als 20.000 (!) Zuschauern berichtet, bei denen sich z.B. der FC Schalke 04 mit 0:2 geschlagen geben musste. Heinz Formann schreibt: "Gleich vier Spieler stellte der BV Westfalia in jener unvergessenen Partie (...): Den langen Janczak im Tor dazu die Läuferreihe mit Drangwitz, Kommorowski und Riehl. Ein Mittelfeld", so fährt er fort, "von dem selbst der legendäre Ernst Kuzorra damals schwärmte: "Die möchte ich mitnehmen, die könnten sofort in Schalke spielen."

 

Faßbender, H. und C. Kommorowski, Lingelbach, Rustemeier, Janczak,Riehl, Gronert, Helf, Rinnemann, Wolf und Drangwitz

 

Vertragsfußball

Wenn man heute diese Artikel liest, fragt man sich, wodurch der Niedergang der nach dem zweiten Weltkrieg führenden kleinen Vereinen in Bochum liegt und warum Westfalia weit entfernt von glanzvollen Zeiten steht. In der Festschrift zum 50-jährigem Jubiläum wird geklagt: "Der Verein schien einer neuen Blüte entgegenzugehen. Es war scheinbar nur noch eine Frage der Zeit, wann der BV "Westfalia" den Aufstieg erringen würde. Nur ging die Rechnung nicht auf, weil sie ohne einen völlig neuen Faktor gemacht worden war: "Vertragsfußball". Zu den leidtragenden Vereinen, die ein Klagelied davon singen können, welche Suppe ihnen der bezahlte Fußballsport eingebrockt hat, gehört in Bochum mancher Verein. Doch nur wenige traf ein so großer Aderlaß wie den BV "Westfalia". In Scharen wurden ihm die guten Spieler sozusagen weggekauft." Die damalige gute Jugendarbeit wird als Grund angegeben, warum man sich in der Bezirksklasse hielt.

 

Bau des "Vereinsheims" auf dem Sportplatz an der Hofsteder Straße

 

Ab 1953 übernahm Willi Körtge den Vorsitz des Vereins. 1957 wurden das Vereinsheim oder besser die heutigen Umkleidekabinen übergeben. Spötter behaupten, seitdem habe sich an ihnen nichts geändert - aber dazu später. Vorsitzender beim 60-jährigen Jubiläum - gefeiert wurde wieder im Parkhaus u.a. mit dem Triumph - Marsch aus der Oper "Aida" von G. Verdi - war Julius Cassel. Die erste Mannschaft spielte in der 1. Kreisklasse.

 

In die Niederungen

Aus der Festschrift zum 75-jährigen und zum 80-jährigem Jubiläum geht leider nicht hervor in welcher Klasse die erste Mannschaft spielte. Schämte man sich? Der damalige Vorsitzende Elmar Michel hat jedenfalls bis zu seinem Tode dankenswerter Weise versucht, den Sportbetrieb der Fußballabteilung mit wechselndem Erfolg aufrechtzuerhalten und gelangte mit der ersten Mannschaft bis in die Kreisliga C. Tiefer - so sei dem Laien versichert - geht es nicht mehr. Aber zu jeder wechselvollen Geschichte gehört auch ein:

 

Aufwärts!

Nach dem Tod Elmar Michels drohte der Fußballabteilung 1998 das völlige Aus. Ein Vorstandsteam um Frank Dobritzsch, Erni Müller, Harald Deutsch und Jürgen Kaiser verhinderte mit viel Einsatz das Verschwinden des Traditionsvereins von der Bildfläche.

 

Hinten: Geschäftsführer Harald Deutsch, Spielführer Rabi Merhi, Vorsitzender Frank Dobritzsch und Beisitzer Erni Müller.
Vorne: Kassierer Jürgen Kaiser, Torwart Uli Otter und Trainer Malte Schnittger. Foto: rud/Stadtspiegel

Bis der Verein aus den Niederungen der Kreisliga C wieder herausfand, vergingen jedoch weitere sechs Jahre. Zwar war 2001 der Aufstieg zum Greifen nah, aber im letzten Relegationsspiel ließen sich die Grün-Weißen die Butter noch einmal vom Brot nehmen und so wurde es 2004, ehe Westfalia endlich wieder einen Meistertitel feiern durfte.

 

An dieser Stelle danken wir allen Freunden und Förderern für ihre Treue und zum Teil langjährige Unterstützung!